Nachtrag – ist ja auch schon wieder Monate her…
Ein Kellertheater in Wien, und eigentlich sind wir diesmal wegen
dem Bühnenbild hier, oder wegen der die es gemacht hat. Das Bühnenbild ist gut,
das Stück ist es auch aber diesmal ist auch das Publikum hochkarätig.
Schon beim reingehen Blickkontakt mit den scharfen aufmerksamen
Augen einer Frau, die mich ansehen als ob sie mich kennt. Was ich ausschließen
kann, denn ich bin es der sie kennt, auch wenn ich lange nicht wissen werde wer
sie ist. Ich weiß das es von früher ist, dass ihr Gesicht jünger war, aber noch
nie so echt wie jetzt, denn jetzt ist keine vierte Ebene Mattscheibe – die in
der erste Hälfte meiner Pubertät auch nur Monochrom war – sondern nur ein
halber Vorraum.
Die Stuhlreihen eng besetzt, wir heute ungewöhnlich weit
hinten.
Vorne links, ein Enfant-Terrible und mich erschreckt wie alt
er geworden ist. Und da auch ich nicht mehr der Jüngste bin, beginnt man zu graben
woher dieses Unbehagen kommt und wann es begonnen hat. Und wir landen beim „Bockerer“,
und ich bin noch nicht mal ein „Bürscherl“ und lerne gerade, das Macht oft
schlimmer ist als Krieg.
Und da wir gerade beim Krieg sind: zwei Reihen hinter ihm sehe
ich wie Odysseus Platz nimmt. Odysseus, ich war mit im vor Troja, und wo immer
du bist, es ist gut Odysseus vor dir zu wissen. Denn irgendwie ist man
überzeugt, dass sich Odysseus auch deiner bewusst ist, in dir einen Kameraden
sieht auch wenn er keine Ahnung hat wer du bist, oder er dir nachtrauern würde.
Ich bin nur ein kleiner niemand in der Dunkelheit, aber dieser Mann hat
Königinnen verloren ohne die Fassung zu verlierten. Ein echter Anführer eben.
Und ich nur einer der namenlosen Waffenträger. Aber ich würde immer bereit sein
um ihm eine Waffe zu reichen. Ich habe es vor Troja getan, und ich habe es im
Fernsehstudio getan.
In der einsetzenden Dunkelheit kommen die letzten Zuschauer
an uns vorbei. Und ich erkenn sie sofort: Roxanna, die wunderbare Roxanne. Und Hand
in Hand mit ihr, ihr Cyrano (auch wenn mir diese Synchronizität immer wieder
entfällt). Vertraut sitzen sie beisammen, die anbetungswürdige Roxanne und …der
Taxler. Ein Taxler, keine Taxi Driver, ein Taxler… und dennoch weiß ich das
dieses Pudels Kern in Wirklichkeit Mephisto ist. Der kultivierteste Mephisto
den die Wiener Bühnen jemals hervorgebracht haben. Mephisto, der weiß, dass man
den Menschen behutsam in die Sünde helfen muss wie in einen warmen Mantel und sie
ihm nicht wie einen heißen Fetzen ins Gesicht knallt. Ein Mephisto, der
Behutsamkeit nicht mit Skrupel verwechselt und der wie kein anderer klar
gemacht hat „dass wir es waren, die ihn gerufen haben“ – was dann auch wirklich
die einzige Ähnlichkeit mit dem Taxler wäre.
Ein Gläschen nach der Vorstellung, Bühnenhelden und deren
Verkörperungen – oder umgekehrt (es wäre gelogen zu sagen ich könnte wirklich unterscheiden)
– um uns herum. Manche kennen uns Groupies schon. Und manche die uns schon so
viele waren, das wir gelernt haben durch die Charaktere zu sehen.
Die Frau mit den aufmerksamen scharfen Augen verabschiedet
sich. Ich bring diesmal wenigsten ein Nicken hin und als ich zum ersten Mal an
diesem Abend ihre Stimme höre, kommt wie ein Echo, die Erinnerung und ich weiß
wer sie ist…
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